Fondue, D-Prominenz, Politik und ein bisschen Mundpropaganda

Gestern durfte MR. WOM einen wunderbaren Abend beim Twitterer- (und Blogger-) Fondue (#twFondue) im Baracca Zermatt am Zürcher Flughafen verbringen. Das Baracca bringt das alpine Fonduefeeling des Wallis in die Stadt und ist als mobile Saisoninstallation immer im Winter von November bis März in Zürich und Basel anzutreffen.

Organisiert wurde das Treffen von @Swissky (Kevin Kyburz) – Danke und Merci vielmals an dieser Stelle dafür.

Bild via Sonja Keller (@dialogine)

Bei feinem Käse- und Fleischfondue und prasselndem Kaminfeuer konnten sich knapp 20 Twitterer und Blogger in gemütlicher Atmosphäre austauschen und den digitalen Kontakt als persönlichen Kontakt vertiefen.

Was hat das nun mit Word of Mouth zu tun?

Nun wissen die geneigten Leser von MR. WOM, dass er eigentlich bei allem, was er erlebt, immer auch einen Bezug zur Mundpropaganda und zum Word of Mouth (WoM) Marketing sucht. Wo war der WoM und welcher WoM ? – dazu bot das Fondue ein paar spannende neue Erkentnisse:

Erkenntnis 1: Der Fondueplausch = ritualisiertes WoM

Wo Menschen zusammentreffen, um gemeinsam am Feuer aus einem Topf zu essen, tauscht man sich aus und es entsteht zwangsläufig Mundpropaganda.

In grauer Vorzeit teilte man seine Erlebnisse und Geschichten gemeinsam am Lagerfeuer. Später im Mittelalter (bis weit in´s 19 Jahrhundert hinein) ass man gemeinsam am Tisch aus nur einer Schüssel, manchmal gab´s sogar nur einen Löffel für die ganze Familie.

In heutiger Zeit ist davon u.a. der Kaffeeklatsch, Weihnachten (um den „brennenden“ Baum herum) oder das Dinnieren und Grill(ier)en mit Freunden übrig geblieben.

In der Schweiz wurde dabei eine besondere Form des gemeinsamen Essens entwickelt: Das Fondue – üblicherweise in der Art, dass alle um einen Topf herum sitzen, unter dem ein (kleines) Feuer brennt. Ein perfekter Ort / Anlass für ritualisiertes Word of Mouth – made in Switzerland.

Erkenntnis 2: Fondue als Kamingespräch mit der D-Prominenz = Weitererzähler für Mundpropaganda

Marketingleute wissen, wenn sich Twitterer, Blogger und sonstige Digitale treffen, dann treffen sich „Influencer“, digitale Multiplikatoren.

Einige davon sind zudem die „Influencer der Influencer“, da sie eine grössere Gemeinde an Lesern, Followern & Fans haben, zu denen oft auch Medienvertreter gehören, die dann die digitalen Stories der Multiplikatoren aufgreifen und in den Massenmedien verbreiten.Am twFondue wurde dafür von einigen der Begriff der „D-Prominenz“ – der digitalen Prominenz – verwendet.

Die Frage ist nur, wie kann ich die digitalen Meinungsführer als Weitererzähler für mein Unternehmen, meine Marke, meine Produkte gewinnen – wie kann ich sie zur Mundpropaganda anregen? Darüber konnte man einiges lernen am Fondue.

Leider denken einige Marketingleute ja immer noch, dass  Twitterer und Blogger ein ganz sonderbarer Typ Mensch sind (z.B. Nerds, Geeks usw.) oder, dass Blogger leicht käuflich seien. Das führt dann zu seltsamen Auswüchsen, wie viele Beispiele des Umgangs von Marken mit Bloggern zeigen, aktuell schön dargestellt beim Chefblogger.

Wer es richtig(er) machen möchte, sollte authentisch auftreten.

Denn Twitterer, Blogger und „D-Prominente“ sind (i.d.R.) ganz normale Menschen, die offen und neugierig sind, gerne unabhängig ihre Meinung kundtun und erwarten, dass man sie authentisch wie normale Menschen behandelt (so wie im Cluetrain Manifest gut beschrieben).

Marken & Marketingverantwortliche sind daher gut beraten, Twitterer, Blogger und Co. als wichtige Weitererzählergruppe für „Earned Media“ ähnlich wie Journalisten mit Respekt zu behandeln. Entscheidend ist dabei, dass man Blogger in ihrer Berichterstattung frei und unabhängig belässt und ihnen nichts vorschreibt oder Bedingungen stellt.

Im PR Bereich gibt es ein gutes Instrument, das für die Beziehungspflege mit Journalisten (leider viel zu wenig) genutzt wird und das auch für den Dialog mit digitalen Meinungsführern sehr gut passt: Das Kamingespräch. Und ein Fondue ist dazu eigentlich ein idealer Anlass.

Erkenntnis 3: Über Politik darf (auch) gesprochen werden

Eine der Small Talk Regeln lautet eigentlich ja: Meide politische Themen. Doch die Politik bietet andererseits auch ein grosses Feld für Gesprächsstoff. So auch am twFondue, was im Prinzip mit der Kandidatur von @bloggingtom als 8. Bundesrat zusammenhängt.

Zur Erläuterung für die nicht-schweizer Leser: Die Schweiz hat 7 Bundesräte, sie sind sozusagen die Regierung. Die Boulevard Zeitung „Blick“ hat nach der Abstimmung für den Stopp der Masseneinwanderung eine Aktion gestartet, die lautet: Das Volk muss besser vertreten sein – kandidiert für den 8. Bundesrat (den es so eigentlich lt. Gesetz nicht gibt, es gibt eben nur 7 Bundesräte). Diese Aktion schlägt natürlich auch entsprechende Mundpropaganda-Wellen in der Schweiz – wie man z.B. via Twitter unter #blick8BR verfolgen kann).


Auch wenn am Abend selbst eine offizielle Bewerbungsrede vom Bloggingtom ausblieb, so konnte MR. WOM sich vom Kandidaten ein gutes Bild im persönlichen Gespräch machen – meine Stimme hat er jedenfalls.

Natürlich war auch die Abstimmung ein Thema am Abend. Interessant war dabei das Beispiel der Schweizer Aktion „OhneDich“ für Fremdenfreundlichkeit (Danke @andreajerger für den WoM-Tipp), das schön zeigt, wie man Storytelling und Mundpropaganda für eine politisch-gesellschaftliche Aktion nutzen kann. Bei „OhneDich“ können Schweizer Fotos von sich und Ihren ausländischen Freunden hochladen und beschreiben, wie die Welt „ohne sie“ wäre. Die Fotos werden dann via Facebook und Twitter geteilt.

OhneDich

Erkenntnis 4: Blogger und Twitterer sprechen auch (gerne) über Marken und teilen diese auch offline

Natürlich stand beim twFondue Persönliches im Vordergrund. Man tauschte sich über seine Beweggründe aus und über Twitterer- und Blogger-Tipps. Aber auch über den Job und über Unternehmen und Marken wurde sich unterhalten.

Der eine oder die Andere zeigte interessante Webseiten, man sprach über diverse aktuelle Markenaktionen und erzählte von seinen Erlebnissen mit verschiedenen Dienstleistern und Serviceunternehmen. Einige hatten auch was Feines oder Lustiges zum probieren mitgebracht, was sie gerne mit den anderen teilten. (Wie z.B. @princessCH – Danke für den ultimativen „Ovo-Choc-Test“)


MR. WOM´s Fazit

Das twFondue hat sehr viel Spass gemacht – Danke für die tollen Gespräche und Inspirationen.

Als ganz persönliche Erkenntnis hat der Abend MR. WOM gezeigt, dass jede Menge Word of Mouth passiert, wenn sich Twitterer und Blogger treffen – und dass ein Fondue ein ideales Format für ein solches Treffen ist.

MR. WOM freut sich, wenn Ihr ebenso gute und hilfreiche Erkenntnisse für Euch vom twFondue mitgenommen habt.

PS: Am 14./15.03. findet in Konstanz das grenzüberschreitende Twitterertreffen #tweetupTGKN statt und von 04.07. – 06.07. findet das Barcamp Bodensee in Friedrichshafen statt. Wer mit dabei sein will, ist herzlich eingeladen.

 

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Durch Danksagung und Wertschätzung zur Mundpropaganda

Letzte Woche sorgte ein Gastbeitrag von Anneli Botz beim Blog „Amy & Pink“ über die „unterbezahlte Hölle der Berliner Medienbranche“ reichlich für  digitalen Gesprächsstoff. Sie schildert darin ihre Erlebnisse als Praktikantin und später Redakteurin bei einer Berliner Produktionsfirma, von der sie sich ungerecht behandelt und ausgebeutet fühlte.

Um eines vorweg zu schicken – MR. WOM geht es in diesem Artikel nicht um die persönliche Problematik von Frau Botz, sondern um die Mechanismen, die zur Weiterverbreitung und Mundpropaganda über Firmen durch deren Mitarbeiter führen. Im Negativem – durch geringe Wertschätzung – wie auch im Positivem – wobei oft ein Danke schon ausreicht.

Danke_Tanke

Foto: Danke an Immanuel Giel via Wikimedia Commons

Der Titel der Story von Frau Botz war reisserisch aufgemacht, der Tenor mehrheitlich negativ – wie das meist so ist bei einer Story „David gegen Goliath“. Und die digital-soziale Mundpropaganda dazu liess – meist positiv im Sinne für Frau Botz, meist negativ über den Arbeitgeber bzw. (da dieser nicht genannt wurde) über die Branche an sich – liess nicht lange auf sich warten. Sogar die Fachpresse – namentlich die deutsche w&v – griff den viralen Provokations-Buzz auf. Und in der w&v steht auch, dass sich die Mundpropaganda durch das „provokative Aufbegehren“ zumindest für Frau Botz wohl gelohnt hat.

Das Muster der Selbstvermarktung öffentlich gemachter Kündigungen unzufriedener Mitarbeiter ist nicht neu. Frau Botz schrieb an passendem Weitererzählort (Amy & Pink) einen Artikel. Andere – wie Marina Shifrin – posten gleich ein Video auf Youtube, dass dann – von Medien befeuert – per digitalem Word of Mouth um die Welt geht.

Doch ist das der richige Weg zu mehr WoM? Wie stark ist die Wirkung von Negativem und Provokativem auf die Mundpropaganda – und ist es vor allem nachhaltig?

Im ersten Moment ist die Wirkung gross – Provokatives bewegt mehr Gemüter, wird stärker weitererzählt. Und von den Medien wissen wir zudem: Only bad news are good news – sprich bringen viele Zuschauer und Leser.

MR. WOM ist aber der Meinung: Die Wirkung verpufft in der heute so schnelllebigen Zeit rasant. Kein Hahn kräht mehr danach am Ende des Jahres. Und ändern wird sich (man) auch nichts. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Oder haben Sie Ihre Konsumgewohnheiten angesichts der „Shitstorms“ (Beispiele: hier, hier, hier und hier) einiger Marken geändert, wenn es sich „nur“ um ethische oder kommunikative Verfehlungen und nicht um tatsächlich erhebliche Produkt- und Servicemängel handelte?

Negatives vs. positives Word of Mouth

Eigentlich lieben Menschen auf Dauer eher Positives – und so verhalten Sie sich auch beim Weitererzählen. Studien der US Marktforschers KellerFay zeigen, dass lediglich 8 % aller Mundpropaganda mehrheitlich negativ ist, hingegen 66% positives Word of Mouth ist.

Nachhaltiger wäre es also, mit Positivem von sich Reden zu machen. Und um Frau Botz zumindest ein klein wenig Zuspruch zu geben: Positives Word of Mouth fängt beim Umgang mit den eigenen Mitarbeitern und ihrer Wertschätzung an. Denn Sie sind sozusagen die ersten „Markenbotschafter“ eines Unternehmens.

Wie man mit einem Danke positives Word of Mouth erzeugt

Unternehmen, die positiv von sich Reden machen, wissen, dass erfolgreiche Mundpropaganda bei der Wertschätzung ihrer Kunden anfängt. Wer sich „Wert geschätzt fühlt“, hat positive Emotionen und berichtet gerne anderen darüber. Eine Wertschätzung auszudrücken ist einfach, es reicht ein Wort: DANKE.

Und nun denken Sie bitte selber mal darüber nach: Wieviel Wertschätzung bringen Sie Ihren Kunden entgegen?

Viel? Das ist gut – und macht Sie weitererzählbar. Und wieviel Wertschätzung geben Sie Ihren Mitarbeitern?

MR. WOM´s sehr geschätzte Expertenkollegin in Sachen Word of Mouth und Empehlungsmarketing – Frau Anne Schüller – hat gestern in einem lesenswerten Gastbeitrag der Karrierebibel.de genau dazu Stellung bezogen.

In 10 Beispielen stellt Sie treffend Lob, Wertschätzung und vor allem das „Dankesagen“ als mögliche Treiber von Word of Mouth durch Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden dar.

Danke dafür!

Wer noch mehr dazu wissen will, findet sicher weitere spannende Inspirationen in dem Mitte März neu erscheinendem Buch von Anne Schüller: “Das Touchpoint Unternehmen. Mitarbeiterführung in unserer neuen Businesswelt.”

Fazit

Es zeigt sich ein mal mehr, dass Word of Mouth nicht nur eine reine Marketingtechnik, sondern vielmehr auch ein grundlegendes Konzept, ein Management-Philosophie darstellt.

Oder um eine leicht abgenutzte Redewendung zu erweitern  „Glückliche Kühe geben nicht nur mehr Milch, sondern erzählen das auch noch positiv weiter.“

In diesem Sinne dankt MR. WOM allen Lesern, Kunden, Lieferanten, Mithelfern und natürlich allen Weitererzählern und -empfehlern für den WOM und versucht sich das „Öfters mal Dankesagen“ als guten Vorsatz für das Jahr 2014 fest vorzunehmen.

 

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Last WOM Shopping: Glück statt Hektik und Zeit statt Geld

Ein paar Mal werden wir noch wach, heissa dann ist´s Weihnachtstag. Wer immer noch nicht das passende Geschenk gefunden hat, muss sich nun sputen. In der Schweiz boten die vielen Sonntagsverkäufen eine gute Chance dazu. Und der Montag ist ja auch noch da.

Zu hektisch? Keine Lust auf übervolle Läden, Schlange stehen oder ausverkauftes Sortiment?

MR. WOM empfiehlt: Wer jetzt noch nichts hat, sollte lieber darüber nachdenken, dieses Weihnachten mal was ganz anderes zu schenken: Etwas Persönliches und Nachhaltiges. Etwas, das die Nerven schont und den Geldbeutel.

Zum Beispiel könnte man Glück verschenken. Die Glüxbox von der Bloggerin Irene Rolli wartet mit Inspirationen auf, die glücklich machen.

Glüxbox

 Screenshot der Glüxbox

Weitere nachhaltige und sinnvolle Ideen bietet Zeit-Zeug. Dort findet man schöne Vorschläge, wofür man Freunden und Verwandten statt „Konsumzeugs“ gemeinsame Zeit schenken kann.

Zeit-statt-Zeug

 Screenshot von Zeit statt Zeug

Wem das doch zu edelmutig und wenig materiell ist, der sollte es mit einem Lottolos als Geschenk probieren. „El Gordo“ machte den Anfang und viele Spanier auch in diesem Jahr glücklich. Für Lotto-kundige Schweizer bietet sich speziell in diesem Jahr eine besonders passende Chance: Just an Weihnachten sind 88 Mio. Schweizer Franken bei der Euromillions Lotterie im Jackpot.

Und falls man dann wirklich Glück hat und der verschenkte Lottoschein das dicke Los ist, verbringen die beschenkten Freunde bestimmt mit einem viel gemeinsame Zeit – es ist ja schliesslich Weihnachten…

 

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Was der Weihnachtsmann empfiehlt – Der TOP & NOWOM im Dezember

Ho Ho Ho – Jetzt stecken wir wieder mitten drin in der Weihnachtszeit. Die Zeit des Schenkens ist verbunden mit dem bekannten Einkaufstress und der Qual der Wahl, die richtigen Geschenke im Überangebot zu finden.

Dabei sorgen Handel und Marken für ein weiteres Stresspotential beim Verbraucher: Gerade jetzt prasseln unzählige Werbebotschaften auf uns als Kunden ein. Was MR. WOM dieses Jahr dabei besonders auffällt: Es wimmelt nur so von werbenden „Empfehlungen“ sogenannter „Weihnachtsmänner und Weihnachts-Experten“.

Als besonders nervig empfand MR. WOM die Online Werbung vom Elektronikhändler Expert (gesehen z.B. bei Spiegel online).

Expert

Das lag nicht nur am Motiv, sondern auch daran, dass das „Experten“ Online Banner irgendwie zu massiv schlechteren Internet-Ladezeiten führte (oder MR. WOM´s Laptop oder sein Breitbandanschluss hatten kurzzeitige Performanceprobleme).

Wie dem auch sei: Für MR. WOM ein klarer NOWOM. Einen anderen NOWOM hat Karstadt sich erlaubt mit seinem ersten TV Werbespot seit drei Jahren. Eigentlich eine gute Chance, nach so langer TV Abstinenz mal wieder mit einem „wommable“ Spot von sich Reden zu machen. Leider sieht das Ergebnis aber so aus:

Angesichts eines solchen „Empfehler-Missbrauchs“ müsste sich der gute alte Weihnachtsmann eigentlich sehr ärgern und Knecht Ruprecht oder – wie man in der Schweiz sagt – das „Schmutzli“ den Werbern der beiden Händler vorbeischicken.

Doch er kann gelassen bleiben: Welcher Konsument glaubt schon, was ihm der Weihnachtsmann in der Werbung empfiehlt? Erwachsene glauben ja gar nicht (mehr) an den Weihnachtsmann. Sondern vertrauen darauf, was Ihnen Ihre Freunde weiterzählen.

Werbung, die für Gesprächsstoff sorgt, ist da schon die bessere Empfehlung. Der Händler Harvey Nichols versucht dies auf die betont britisch kontroverse Art mit seinen aktuellen Weihnachtsspots.

Allerdings ist Kontroverses nicht immer gern gesehen, besonders in der aktuellen Zeit der Liebe und Harmonie. Diese Themen eignen sich viel eher für schöne Weihnachtsgeschichten. Der TOP WOM im Dezember geht daher an den britischen Händler John Lewis und seine wunderbare erzählte Weihnachtsgeschichte (allein schon die Musik ist wommig-weihnachtlich- weitererzählbar):

In diesem Sinne wünscht MR. WOM allen seinen Lesern eine empfehlenswert fröhliche wie auch besinnliche Weihnachtszeit. Lassen Sie sich nicht von falschen Empfehlern beirren, sondern hören Sie auf das, was Ihnen echte Freunde raten und erzählen.

WOMMige Weihnacht & und einen guten Rutsch – Ho Ho Ho.

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WOM Tour FFM: Wie Paid, Owned und Earned Media zusammenhängen

Ende November war MR. WOM auf Word of Mouth Tour in Frankfurt am Main unterwegs. Grund war der zweite WOMMup Word of Mouth Marketing Event am 20.11.2013 im Frankfurter Dreikönigskeller.

Der zweite WOMMup bot den Teilnehmern im dichtgedrängten Dreikönigskeller Strategieoptionen für Word of Mouth Marketing, spielerische Markenerlebnisse und neue Insights zur Forschung und Messung von Word of Mouth – letzte präsentiert vom Markt-Media-Forscher Dirk Engel. Krönender Abschluss war die erste Schnick Schnack Schnuck „Fight Night“ für Marketingleute.

Ein Detailbericht zum WOMMup findet sich hier zum Nachlesen, wer sich für die Strategieoptionen von Word of Mouth Marketing interessiert, findet mehr dazu  im Gastbeitrag von MR. WOM bei Anne Schüller.

Wirkstoff Word of Mouth Marketing?

Auf Einladung vom WOMMup FFM CoVeranstalter Dirk Engel durfte MR. WOM dann am nächsten Tag (21.11.) am 2. Expertenforum 2013 von Wirkstoff TV im Frankfurter Flughafen teilnehmen.

MR. WOM war natürlich neugierig, wieviel über WoM bei den TV Spezialisten und Forschern schon bekannt ist und wurde gleich zu Beginn vom Key Note Speaker des Events positiv überrascht.

Les Binet – britische Forscher-Ko­ry­phäe und Head of Effectiveness bei adam & eve DDB – beschrieb in seinem Vortrag TV als das effektivste Medium für Brand Building, da es über alle Schlüsselfaktoren des Markenaufbaus verfügt: Emotion, Reach & Fame.

Dabei erläuterte er, was er unter der Eigenschaft „Fame“ versteht. Fame meint für Les Binet die Fähigkeit, Gesprächsstoff zu liefern, der Ruhm erzeugt. Mit anderen Worten: TV generiert Word of Mouth oder „Talkability“ (den kompletten Vortrag gibt es hier als Video, die Folien dazu hier). Damit bestätigte er, was auch KellerFay in den USA zum Zusammenwirken von TV und WoM herausgefunden haben.

Les Binet zitierte dabei Zahlen der „POETIC“ Untersuchung von Thinkbox TV, die hier kurz zusammengefasst sind. Die POETIC (‘Paid, Owned, Earned: TV’s Influence Calculated’) Studie untersuchte in 2013 das Zusammenwirken von Paid, Owned und Earned Media in Grossbritannien. Spannender als die Ergebnis-Kurzfassung ist jedoch das fast dreistündige Video der Vorträge des Thinkbox POETIC Events zur Studie sowie die Summary Slides dazu – hier finden sich jede Menge interessante und sehenswerte Erkenntnisse zu Word of Mouth und Earned Media und dem Zusammenspiel mit Paid und Owned Media.

Fazit: Markenaufbau im Zusammenspiel von Paid, Owned & Earned Media

Wer Word of Mouth erzeugen möchte, sollte sich bewusst sein, dass Earned Media als „verdienter“ Medienkanal der Nutzer immer erst via Paid und Owned Media Touchpoints angeregt werden muss.

Ob allerdings TV wie auch generelle Paid Media die wichtigste Rolle beim Brand Building wie auch der WoM Erzeugung spielt, wie es die POETIC Untersuchung darstellt, bezweifelt MR. WOM, denn es gibt genügend andere Beispiele (wie etwa Premium Cola oder Maler Deck), die zeigen, dass man Marken erfolgreich auch nur via WoM aufbauen kann.

Marketingentscheider und Mediaplaner sollten daher zukünftig integriert denken und das bisherige Silodenken abstellen. Denn es geht nicht um die Frage, welches jeweilige Marketing-Silo welche Performance einzeln aufweist, sondern wie alle Marketingmassnahmen im Zusammenspiel performen.

Was denken Sie: Gibt es noch Vorteile des Silodenkens ggü. dem integrierten Ansatz? Wie erzeugen Sie im Zusammenspiel von Paid und Owned Media Word of Mouth als wichtigsten Treiber für Kaufentscheidungen Ihrer Kunden?

Kommentare und Beispiele dazu sind herzlich hier im Blog willkommen.

 

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Schnick-Chang-Pon: Noch eine Woche bis zum WOMMup FFM

MR. WOM freut sich schon auf den WOMMup am 20.11.2013 in Frankfurt im Dreikönigskeller. Nicht nur auf die spannenden Vorträge und vielen neugierigen Gäste, sondern auch auf die an den WOMMup anschliessenden Schere-Stein-Papier Lokalmeisterschaften.

Im Vorfeld hat MR. WOM mal ein wenig zu dieser „mentalen Sportart“ recherchiert und ist auf ein paar weitererzählbare Fundstücke gestossen.

ching-chang-chong-Axe

In 2005 machte die Marke AXE von sich Reden, in dem Sie die „Ching Chang Chong Masters“ inszenierten. In einer Vorrunde wurden online die Finalisten für die Masters ausgespielt, die dann unter prominenter Beteiligung in Berlin stattfanden. Die Online-Version von Ching Chang Chong ist übrigens immer noch online – wer also für die Schnick Schnack Schnuck „Fight Night“ am WOMMup noch trainieren möchte, kann dies hier machen.

Schnick, Ching, Klick: Schere – Stein – Papier ist ein weltweit bekanntes Spiel. Sein Ursprung ist umstritten und wird in Japan vermutet, wo es bereits seit Jahrhunderten unter dem Namen Jan-Ken-Pon gespielt wird. Von dort gelangte es im 19. Jahrhundert nach Europa. Auch gibt es wohl – ähnlich wie beim Boxsport – verschiedenste Weltverbände. Mit der aSSSociation ist zumindest der aktuell aktivste deutsche Verband beim WOMMup am Start.

Schnick Schnack Schnuck inspiriert Kunst und Technik

Wie MR. WOM über die Deutsche Tagesschau erfuhr, inspiriert das Spiel auch Künstler und Ingenieure und sorgt damit für Word of Mouth in eigener Sache. Aus dem „Mutterland“ des Ching Chang Chong – wo das Spiel auch „Janken“ genannt wird kommt – wie konnte es anders sein bei einer technikverspielten Nation – eine Roboteranwendung, die 100% immer gewinnt (allerdings durch Mogeln):

Mehr Infos zum Projekt des Ishikawa Oku Laboratory finden sich hier.

Die Künstlergruppe „weAREmedienkuenstler“ aus Weimar geht noch einen Schritt weiter – sie lässt gleich zwei Programme autonom gegeneinander „Rock, Paper, Scissors“ spielen:

Rock Paper Scissors from weAREmedienkuenstler on Vimeo.

Neben den Vorträgen zu Word of Mouth Marketing Forschung & Messung, Strategie und spielerischen Produkterlebnissen gibt es also genug Gesprächsstoff  für den WOMMup am 20.11.2013 in Frankfurt – zu dem man sich hier noch anmelden kann.

Was war Ihr letztes spielerisches Markenerlebnis? Und wann haben Sie zuletzt Schnick Schnack Schnuck gespielt? Oder üben Sie etwa – wie MR. WOM – schon seit Wochen für die WOMMup „Fight Night“?

MR. WOM freut sich über Ihre Kommentare hier im Blog.

 

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Von Google lernen heisst Word of Mouth lernen

Google-Blog

Wer über Word of Mouth Marketing nachdenkt, muss sich logischerweise auch fragen „Was würde Google tun?“.  Die von Jeff Jarvis im gleichnamigen Buch aufgestellte Frage beleuchtet detailliert, auf welchen Ansatz Google setzt, um Word of Mouth zu erzeugen. Dabei geht es vor allem um Vernetzung, Gesprächsstoff (Inhalte), Gespräche (erst zuhören, dann sprechen), Nutzereinbindung und Weiterempfehlungen – Mechanismen, die Jeff Jarvis allen zu Nachahmung empfiehlt.

“Markets are conversations,” decreed The Cluetrain Manifesto, the seminal work of the internet age, in 2000. That means the key skill in any organization today is no longer marketing but conversing. (Zitat aus „What would Google do?“ by Jeff Jarvis)

Google hat für Word of Mouth Marketing gleich ein mehrfache Bedeutung. Google hilft uns einerseits, Online Mundpropaganda zu finden, denn sie wird in der Suchanzeige prominenter gewichtet. Word of Mouth Kampagnen, die auf die Erzeugung und breite Streuung von User generated Content in Form von Reviews, Rezensionen, Bewertungen, Kommentaren und Blogberichten fokussieren – sprich authentischer Earned Media – setzen, beeinflussen nachhaltig die Listung in den Top 10 der Google Suchergebnisse.

Man könnte sagen, da schlägt Word of Mouth (WoM) sogar das SEO/SEM Marketing, wenn man in punkto Marketing nicht synergetisch denkt, sondern noch im Silodenken verharrt und Marketing als Wettstreit verschiedenster Instrumente sieht. Für MR. WOM macht allerdings erst die komplementäre Kombination aus WOM, SEO/SEM und Werbung den Marketing Erfolg aus.

Andererseits bietet Google – und zahlreiche zu Google gehörende oder mit Google vernetzte Dienste – breite und kostenlose Möglichkeiten, seinen eigenen Gesprächsstoff in Umlauf zu bringen und zu verlinken – wie etwa die Möglichkeit der kostenlosen Verbreitung viraler Videos via Youtube, die als Gesprächsstarter Quelle und Accelerator von Word of Mouth sein können.

Wie Google selbst Word of Mouth einsetzt

Hat einer der geschätzten Leser von MR. WOM jeweils Werbung von Google gesehen? MR. WOM jedenfalls nicht – lässt man mal die Post-Mailing bezüglich Google Adwords aussen vor. Google setzt stattdessen umfangreich auf Wordof Mouth.

In its “10 things Google has found to be true,” the company says its “growth has come not through TV ad campaigns but through word of mouth from one satisfied user to another.” The generation that has that damned “Yahoo-ooo” sound stuck in their heads thanks to untold millions spent on commercials is the same generation that used and spread Google instead, for free. (Zitat aus „What would Google do?“ by Jeff Jarvis)

Zuletzt konnte man das gut beobachten bei der Story mit den Google Lastkähnen, die in den letzten Wochen an verschiedenen Stellen der USA plötzlich gesichtet wurden und die zu wilden Spekulationen der Medien und in der Blogosphäre führten – ob nun bei Spiegel online oder anderswo – das Web war voll davon. Und selbst die vermeintliche Aufklärung durch Google lässt noch genug Spielraum für weiteren Buzz.

Die WOM Mechanismen, auf die Google hier setzt, heissen Mythos und Mysterium. Allein die Sichtung der Lastkähne, die plötzlich an verschiedenen Orten auftauchten, hatte etwas von den Film-Szenen von „Independence Day“, als überall auf der Welt Raumschiffe auftauchten. Ein perfekt inszenierter Buzz, der zudem die aktuell im Launch befindlichen Produkte Nexus Smartphones und Tablets und auch Google Glass in´s Gespräch brachte.

Apropos Glass – auch hier setzt Google auf WoM. Einerseits konnten vorab ausgewählte Nutzer das Produkt testen, andererseits wird es exklusiv und limitiert vermarktet – ein Mechanismus, den schon Apple verwendet, um Word of Mouth zu erzeugen. Leute wie Paul Scoble sind dabei als Tester die besten Weitererzähler – er nahm Google Glass zu Interviews und Events und probierte öffentlich überall Glass aus:

Noch mehr WoM in Google

Google hat schon immer auf Word of Mouth gesetzt. Allein, dass wir alle nicht mehr von „im Internet suchen“ sprechen, sondern davon, dass wir etwas „googlen„, ist schon WoM.

Jim Lecinski, Google’s Managing Director, U.S. Sales and Service. – See more at: http://www.kellerfay.com/insights/google%E2%80%99s-seven-rules-for-building-brands-with-word-of-mouth-2/#sthash.zJVCccxE.dpuf

Jim Lecinski, Google’s Managing Director für U.S. Sales and Service hat im Juni 2010 an der „School of WOM“ der Word of Mouth Marketing Association (WOMMA) ein bisschen aus dem Nähkästen geplaudert, wie Google WoM erzeugt:

  1. Pose a Challenge to the Community.
  2. Hold a Contest.
  3. Give a Gift.
  4. Surprise Them.
  5. Draft on Advertising.
  6. Let Others Tell Your Story.
  7. Invitation Only.

Ed Keller hat dankenswerterweise die 7 Regeln von Google detailliert in seinem Blog dargestellt.

Im B2B Bereich setzt Google – wie auch seine Tochterfirmen – auf Mundpropaganda durch nutzwertige Inhalte – also Content Marketing. Ob das nun die Youtube Pro Series sind (das Live on Tape Video fängt erst bei Min. 7:18 an), oder die Infos zum ZMOT, andere Google Think Insights zu Word of Mouth oder Videos zu Word of Mouth Marketing:

Wie seht Ihr das? Wie wichtig ist Google für die digitale Mundpropaganda – den Online WoM? Und wie nutzt Ihr die Vorzüge von Google für Euer eigenes Word of Mouth Marketing: Nur für Content Marketing – oder auch Virals und SEO? Welche Rolle spielen Reviews und User CoCreation?

MR. WOM freut sich auf Eurer Kommentare hier im Blog.

 

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Mundpropaganda durch spielerische Produkterlebnisse

Word of Mouth für tolle, begeisternde Produkte und Services zu machen ist leicht. Denn Produkte, die von sich aus bereits ein spannendes, neues und überwältigendes Wow oder Aha Erlebnis mit sich bringen, sprechen sich sozusagen von selber herum.

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Apple ist dafür das beste Beispiel. Doch Apple und andere Hersteller begeisternder Produkte haben lange daran gearbeitet, dass ihre Produkte oder Services so einzigartige, weitererzählbare Erlebnisse beim Kunden erzeugen.

Word of Mouth durch spielerische Erlebnisse

Doch was machen all jene Marken, die kein per se begeisterndes Produkt oder Service haben? Was macht man mit sog. „Low Involvement“ Produkten oder B2B Services?

Ein Weg hierfür ist spielerische Erlebnisse mit der Marke, dem Produkt oder Service zu verbinden. Denn Spielen ist eine Eigenschaft – so zeigen die aktuellen sozio-psychologischen und neurowissenschaftlichen Erlenntnisse – mit der wir als Kinder unser Wissen erlernt haben und die wir – da von der DNA her in uns verankert – im Prinzip nie verlernen.

Was passiert nun beim Spielen genau und wie entsteht dadurch Wissen oder ein höheres Involvement – mit z.B. einer Marke?ccc71636a2

Laienhaft dargestellt findet beim Spielen – speziell beim realen Spielen, das alle 5 Sinne miteinbezieht bzw. anregt – eine Aktivierung verschiedenster Hirnareale statt – beim reinen, meist wenig spassvollen Wissenslernen sind es jedoch nur einzelne Hirnbereiche. Spielen – vor allem bei Erfolgserlebnissen mit einer Gruppe gemeinsam –  erzeugt Spass. Dieses Wow Erlebnis wird vom Hirn mit der Ausschüttung von Dopamin belohnt, was dazu führt, dass sich die Synapsen im Hirn verbreitern und damit das Spielerlebnis besser und nachhaltiger erinnert wird. Oder anders gesagt: kein Wow Erlebnis – kein Involvement und keine oder nur schwache Erinnerung.

Das Beispiel der Firma Ludoki beweist, dass Spielen dabei auch im B2B Bereich sehr gut funktioniert. Die beiden Verkäufer, Trainer und Coaches Wolfgang Marschall und Tarek Abouelela stellten nach hunderten von „normalen“ Verkaufs-Trainings fest, dass nicht immer alles Wissen in ihren Seminaren erinnert und verinnerlicht wurde.

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Sie wollten deshalb etwas schaffen, was die Nachhaltigkeit ihrer Trainings stärkt. Da sie selbst gerne (Brett)Spiele spielten, lag die Idee quasi auf der Hand: Sie machten ein Spiel daraus.

MR. WOM durfte selbst an einigen Spielen teilnehmen und hat in den wenigen Spielstunden gemeinsam mit anderen mehr über das Verkaufen verinnerlicht, als er durch Bücher oder eine Schulung lernen konnte.

Durch das spielerische Element bei der Wissensvermittlung wurde aus dem Serviceangebot der üblichen Verkaufstrainings ein neuartiges Serviceerlebnis, welches das Involvement steigert und weitererzählbar ist. Wer nun Lust hat, das mal live auszuprobieren, hat am kommenden Samstag, 19.10.2013 die Gelegenheit dazu beim grossen Ludoki Spieletag in Konstanz am Bodensee.

Gamification = WoM

Doch Marken können auch auch im B2C Bereich mit Gamification spielerisch gewinnen und WoM erzeugen. So macht die lokale Gaffel Kölsch Brauerei seit kurzem mit „Schnick Schnack Schluck“ – einer auf die Marke adaptierten Variante von Schere, Stein Papier – in Köln von sich Reden.Bierdeckel_Beide02outlined

Möglich wird dies allerdings nur dadurch, dass sich vor rund 2 Jahren mit der ASSSociation ein offizieller Schnick-Schnack-Schnuck „Weltverband“ gegründet hat, der regelmässig in Köln offiziell „seriöse“ Wettkämpfe veranstaltet – und dabei hautsächlich auf Buzz und WoM setzt.

WOM Tipp: Der nächste WOMMup am 20.11.2013 in Frankfurt wird sich unter anderen dem Thema „Word of Mouth durch spielerische Produkterlebnisse“ widmen.

Bildquellen: Dank an Ludoki & die aSSSociation / Tom Seller

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WOMMup, dmexco Köln & Storytelling Konferenz – ein WoM Rückblick

Vergangene Woche war ein strammes Programm in Sachen Word of Mouth Marketing für MR. WOM. Letzten Dienstag fand zuerst die Premiere des WOMMup – des ersten Word of Mouth Marketing Events von MR. WOM statt – daran schlossen sich dann zwei spannende dmexco Tage in Köln an und den Abschluss bildete am Freitag die inspirierende Storytelling Konferenz des Center for Storytelling.

WOMMup in Köln

Am Dienstagabend fand im Hallmackenreuther in Köln mit dem WOMMup der erste Event zum Thema WoM Marketing Strategie, Planung und Best Practice statt.

Auch wenn der Event im Vorfeld grosse soziale Wellen schlug, war der Teilnehmerkreis bewusst klein gehalten und hochwertig ausgewählt, damit auch vertiefte Inhalte im Dialog besprochen werden konnten.

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Die trendige und gemütliche Lounge hinter der Empore des „Halmacken“ bot dazu den idealen Rahmen für den intimen Austausch zum Thema Word of Mouth. Kölsche Häppchen, Chili, frisches Kölsch sowie die Verkostung von weitererzählbaren Produkten wie den Keksen der Kekswerkstatt – die als „Kamelle“ unter den Gästen verteilt wurden  – oder den begehrten Törtchen der Konditorei Klüppelberg, machten den WOMMup zu einem Mundpropaganda Event, der mit allen 5 Sinnen genossen werden konnte.

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Inhaltlich war der WOMMup eine optimale Einstimmung auf die dmexco wie auch auf die Storytelling Konferenz, denn er bot einen strategischen Einstieg in das Thema, mit dem man die Trends und Themen der beiden anderen Events unter einem neuen Blinkwinkel betrachten und die Erfolgsfaktoren erfolgreichen Marketings neu einordnen konnte. Mehr zu den fachlichen Inhalten wird an dieser Stelle noch nicht verraten – hierzu folgt diese Woche noch ein separater Bericht.

Fortsetzung folgt

Das positive Feedback der Gäste wie auch die grosse öffentliche Resonanz auf den ersten WOMMup haben MR. WOM bestärkt, die Eventreihe fortzusetzen. Der nächste WOMMup wird voraussichtlich im November 2013 in Frankfurt stattfinden.

 

dmexco Köln

Die diesjährige dmexco toppte auch in 2013 wieder mal das Vorjahr – ob nun in punkto Besucherzahlen oder Qualität der Referenten und inspirierender Inhalte. Gleichwohl wird es leider auch immer unüberschaubarer. Und leider fanden wieder viele spannende Vorträge und Session parallel statt.

Da die Veranstalter das Klonen leider noch nicht mit zum dmexco Service liefern, blieb also nur paralleles Anschauen via Live Streaming (was angesicht des ständigen Zusammenbruchs des Mobilfunk- wie auch WLAN-Netzes zur Geduldsprobe wurde) oder aber die Mundpropaganda Verbreitung durch Dritte via Twitter oder Live Blogging (Danke an dieser Stelle allen Content-Lieferanten von Earned Media).

Vorträge am ersten Tag – Gespräche am zweiten Tag

MR. WOM besuchte u.a. die Keynote von Keith Weed sowie u.a. die Sessions mit Pete Blackshaw (u.a.) oder den MEC Vortrag in der Debate Hall und die Pressevorstellung der AGOF Future Trends. Der zweite Tag stand dann mehr im Fokus des vertieften Dialogs mit anderen Messebesuchern, Ausstellern und Netzwerkkontakten.

Aus MR. WOM Sicht heraus, hatte die dmexco 2013 ihren Fokus auf den Bereichen (Organisation & Management von) Big Data, Dialog (mit Usern, Kunden, Konsumenten) und Storytelling (dem Hauptthema des letzten Jahres).  Letztere beiden sind dabei eng verknüpft mit Word of Mouth – welches jedoch selbst nicht als Fokusthema oder gar als Keyword getaggt an der dmexco in Erscheinung trat.

Natürlich kann es sein, dass hierbei das Sein (von MR. WOM) das Bewusstsein bestimmt, aber bereits die Eröffnungs-Keynote von Keith Weeds (CMO von Unilever) zeigte, dass es auch in 2013 wieder mal jede Menge WOM inside@dmexco gab. Unilever definiert – zumindest digital – seine Strategie wie folgt: putting people first (not consumers) to build brand love by unlocking the magic.

Wie das konkret geschieht zeigte Weed dann u.a. an den Beispielen Dove (putting people first), Cornetto (Brand Love) und Axe (unlocking the magic). Wer sich die Spots der Kampagnen anschaut, stellt schnell fest, dass hier immer auch Storytelling als wesentliches Merkmal eine wichtige Rolle spielt.

Pete Blackshaw wiederum startete die Brand Strategie Debatte an der dmexco mit einem Video des Social Media „Warrooms“ von Nestlé und animierte zu Publikumsfragen, in dem er zwei der auf 50 Stück limitierten Kitkat Android Boxen als Belohnung für die besten Fragen auslobte. da allerdings nur 2 Fragen zeitlich möglich waren und zudem die 2. Frage von einem Nestlé Mitarbeiter selbst kam, wurde die 2. Box dann auf der Bühne nach dem first come first serve Motto vergeben (was zu einer „artistischen“ Einlage eines echten Fans führte).artist-4-kitkat

Insbesondere aufgrund seiner eigenen Überlegungen zum WOM Decision Journey fand MR. WOM die in der Debate Hall nachfolgende Insights-Vorstellung zum MEC Momentum Ansatz äusserst inspirierend, da dieser Ansatz als einer der wenigen auch den Einfluss von Empfehlungen und Word of Mouth im Kaufprozess mit berücksichtigt.

Alle Vorträge der dmexco 2013 gibt´s als Videos hier im Youtube dmexco Kanal.

 

Storytelling Konferenz in Zürich

Nach der dmexco ging´s dann wieder zurück in die Schweiz, wo am Freitag dann die Storytelling Konferenz zum Thema Data Stories als passende Ergänzung zur dmexco wartete. Denn hier wurde an Hand konkreter Beispiele praktische Erkenntnisse vermittelt, wie man Geschichten erzählt und weitererzählbar macht.

Opera Calling (2007) from !Mediengruppe Bitnik on Vimeo.

Hier beeindruckte MR. WOM speziell der Vortrag der Mediengruppe Bitnik, die mit Kunstaktionen wie „Opera Calling“ oder zuletzt „Delivery for Mr. Assange“ von sich Reden machen. Der nachfolgende Q&A Workshop-Austausch mit den Künstlern selbst brachte sowohl neue Erkenntnisse wie auch die Bestätigung bisherigen Wissens für erfolgreiches Word of Mouth Marketing mittels Storytelling.

Bitnik nutzt methodisch Hacking als Kunst-Strategie für ihre Projekte.Hacking meint hierbei die Herausnahme eines Begriffs oder Inhalts aus seinem bestehenden System und den Transfer im Sinne einer Befreiung in einen anderen Kontext.

Der Ausgang der Projekte ist immer ungewiss und Scheitern – anders als im Marketing- erlaubt. Denn nur so ist Innovation und Veränderung möglich. Eine Tatsache, die einer der Workshopteilnehmer (aus der Wirtschaft kommend) sich durchaus auch für die Marketingwelt wünschen würde.

Doch auch wenn die Kunst von Bitnik kein Ziel verfolgt, so spielen doch eine Vielzahl von Elementen und Motiven eine Rolle bei der Bitnik Kunstprojekten: Aktuelle Dringlichkeit, Anregung zum Diskurs (ohne dabei den Nutzer selbst zu manipulieren) durch Provokation und Disruption oder der persönliche Bezug des Nutzer inkl. der Andockmöglichkeit eigener Geschichten des Nutzers an die Geschichte des Bitnik Projektes sowie die rein organische Verbreitung des Kunstprojektes im Sinne der Bekanntmachung.

Eine Zusammenfassung aller Vorträge der Storytelling Konferenz findet sich hier.

 

Fazit einer Woche voller WOM

Was bleibt nun als Fazit zurück nach eine Woche geballtem Information Overload? Aus dem Blick von MR. WOM ergab die Woche in Sachen Word of Mouth und Storytelling folgende Erkenntnisse für Marken, Markenmacher und ihre Geschichtenerzähler:

  • Biete überraschende authentische Erlebnisse mit und um ein Produkt oder Service herum, die einen „magischen“ Moment erzeugen und aktuellen Bezug haben
  • inszeniere diese durch Überspitzung, Disruption, Provokation oder einfach beste Performance und rege damit zum Dialog an
  • stelle den Nutzer in der Vordergrund, damit ein persönlicher Bezug hergestellt werden kann und er seine eigene Geschichte schreiben kann
  • Probiere Neues und erlaube das Scheitern – auch im Marketing. Denn nur wer wagt, gewinnt. Ex-Post-Analysen von Big Data Fakten bergen das Risiko, beim Marketing nur im Mainstream mitzuschwimmen, aber nicht zu überraschen.

Doch jeder hat sicher seine eigenen persönlichen Erlebnisse und Erkenntnisse der o.g. Events – darum möchte MR. WOM Sie als Leser an dieser Stelle fragen: Was ist Ihr Fazit und Ihre Erkenntnisse der letzten Woche – was ist Ihre Story?

MR. WOM freut sich auf Ihre Erkenntnisse.

 

Mach MR. WOM glücklich - sei der erste Weitererzähler dieses Beitrags. Danke!

Das Geschäft mit bezahlten und gefälschten Empfehlungen – der NOWOM des Monats

Montag vorletzter Woche meldete die Nachrichtenagentur AFP u.a. via Google News, dass die taiwanesische Fair Trade Commission gegen den Smartphone-Hersteller Samsung ermittelt, der über eine Agentur Studenten bezahlt hat, um negative Fake Reviews über HTC Produkte im Internet zu verbreiten und gleichzeitig die Samsung Produkte weiterzuempfehlen.

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 Samsung Consumer Reviews | Bildquelle: TaiwanSamsungLeaks

Die Behörde kam Samsung auf die Spur aufgrund von Internetberichten u.a. von TaiwanSamsungLeaks. MR. WOM erfuhr via Spiegel online Freitag letzter Woche davon.

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Liste relevanter Fake Reviews | Bildquelle: TaiwanSamsungLeaks

Obgleich der Vorfall „nur“ Taiwan betrifft, ist er auch für die USA und Europa von hoher Relevanz, denn er untergräbt die Glaubwürdigkeit von echten Word of Mouth Empfehlungen, von denen sich je nach Studie bis zu einem Drittel der Online Shopper in ihrem Kauf beeinflussen lassen.

Fake Reviews und bezahlte „Konsumenten-Bewertungen“

Bereits seit 2011 mehren sich auf im deutschem Web die Berichte über gefälschte Konsumentenberichte, die gegen Bezahlung durch Agenturen oder gar durch Firmenmitarbeiter in Umlauf gebracht werden. Betroffen sind vor allem der Online Handel generell (wie stern.de oder das Handelsblatt berichten), die Hotel- und Reisebranche, der Bereich der IT & Unterhaltungselektronik sowie Bücher. Von  Medien – u.a. Bild.de – durchgeführte Tests zeigen, dass es 1. Agenturen gibt, die keine Bedenken haben als Dienstleister Fake Reviews zu verfassen und, dass 2.  Shoppingplattformen und Bewertungsportale entweder gefälschte Bewertungen nicht erkennen können oder wollen. Zutreffend ist wohl eher letzteres, denn Amazon beweist mit seiner letzten grossen „Aufräumaktion“, dass Fake Reviews wohl doch identifiziert werden können.

Auch international gibt es – neben dem aktuellen Fall Samsung – viele ähnliche Beispiele. Wie trickreich teils agiert wird zeigt das Beispiel Tripadvisor und das Vorgehen im Bereich der „Fake Review Optimization“ (FRO), das auch unter dem Aspekt der SEO Suchmaschinenoptimierung praktiziert wird. Ein Blick in das in dem Beispiel erwähnte BlackHatWorld SEO Forum zeigt dabei, dass das Thema kontrovers unter den Nutzern diskutiert wird und sich nicht jeder um die Rechtslage kümmert.

Nachtrag vom 6. Mai 2013: Christoph Lanter wies per Linkedin Kommentar richtigerweise noch darauf hin, dass auch die Schweiz nicht von Fake-WOM verschont bleibt: Bereits im letzten Jahr berichtete die Aargauer Zeitung in ihrem Artikel „Gekaufte Studenten schreiben auf Newssites gegen Abzockerinitiative“ über das Thema bezahlter gefälschter Mundpropaganda im Rahmen politischer Abstimmungen durch den Verband economiesuisse. Letztlich hat auch das nicht geholfen: Die Abstimmungsinitiative konnte sich durchsetzen.

Das Geschäft mit den Reviews

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Quelle Infografik: Yotpo.com

Experten wie Krischan Kuberzig gehen mittlerweile davon aus, dass bei Onlineshops rund 20 – 30 % der Online Bewertungen gefälscht sind. Der Markt der willentlich gefälschten Reviews – auch als „Flogging“ u.a. im Sinne von Fake Blogging bezeichnet – ist ein Millionengeschäft und umfasst alle gegen Bezahlung erstellten Online Kommentare, die sich als vermeintliche „Konsumentenberichte“ tarnen.

Hierbei wird unterschieden in Berichte, die positiv zum Vorteil eines bestimmten Produktes wie auch solche, die absichtlich negativ gegen ein Wettbewerberprodukt (wie im Fall Samsung) verfasst sind. Lt. Insidern ein boomendes Business, das ähnlich wie der Bereich der „käuflichen“ Facebook Fans abgewickelt wird.

Der Gartner Report The Consequences of Fake Fans, ‚Likes‘ and Reviews on Social Networks prognostiziert für 2014, dass rund 10 – 15 % aller von Konsumenten über Social Media gemachten Reviews und Rating gefälscht sein werden.

Doch neben dem Markt der Fake Reviews ist noch ein zweiter Markt entstanden:

Der Markt der mit Geld / geldwerten Vorteilen belohnten Empfehlungen „echter“ Konsumenten.

Marktkennern sind vor allem die vergüteten „Empfehlungen“ von Bloggern bekannt, welche gegen Entgelt Blogberichte zu Produkten verfassen – meist organisiert und buchbar als Seeding oder Content Marketing Kampagne über Anbieter wie Trigami / eBuzzing oder shareifyoulike. Das ist natürlich nichts Neues, im Printmedien-Bereich ist es auch als „Advertorial“ oder „Publireport“ bekannt und mittlerweile oft klar gekennzeichnet für den Nutzer.

Seit kurzem kommen neuere Formen bezahlten Empfehlungsmarketings auf, die ähnlich den Affiliate-Systemen Empfehlungen vor- oder nachher mit Gutschriften und geldwerten Vorteilen belohnen:

  • Clickbank.com – ist ein Empfehlungs-Affiliate-Programm, das sich vor allem an private Blogger richtet, die in ihren Beiträge Produkte empfehlen und von den Verkäufen Affiliate-Provisionen erhalten.
  • pixoona.com – Nutzer können lt. den AGB mit dem „bepixen“, d.h. dem Kommentieren, Bewerten und Mitteilen von Inhalten, auch Waren, Dienstleistungen etc. online empfehlen. Diese können im Nutzerprofil eingestellt sein oder aus dem Angebot der an pixoona angeschlossenen Händler stammen. In beiden Fällen können Nutzer am pixoona Vergütungsprogramm teilnehmen und sind an den durch ihre Empfehlungen generierten Erlösen beteiligt.
  • sobu.ch – Das Angebot der Swiss Post, über das Onlineshopper ihre Käufe anderen weiterempfehlen und Provisionen für die Käufe ihrer Freunde erhalten. Sobu.ch greift das Affiliate-Partnerprogramm von Amazon als Idee auf. Anders als bei Amazon können die Freunde der Kauf-Empfehler zusätzlich von Einkaufsgutscheinen profitieren. Ein ähnliches Modell bietet in Deutschland tellja.de an. Im weiteren Sinne die Online-Variante altbekannter Freunde-werben-Freunde Programme.

Verliert die authentische, ehrliche und intrinsisch motivierte Mundpropaganda?

Angesichts der Vielzahl an neuen Möglichkeiten bezahlter, falscher Weiterempfehlungen und Produktbewertungen könnte man meinen, dass wir alle in Zukunft nur noch profitorientiert weitererzählen werden.

Angenommen das würde zutreffen, dann hätte dieser Zustand schon längst eintreten müssen, denn Affiliatesysteme und Tupperwareparties gibt es schon sehr viel länger. Stattdessen ist das Gegenteil immer noch der Standard-Fall: Studien belegen, dass lediglich 1% der Weitererzähler gegen Geld oder geldwerte Vorteile (Gutscheine, Rabatte, etc.) Empfehlungen aussprechen. Die meisten Menschen empfehlen Produkte per Mundpropaganda nach wie vor aus intrinsischen Motiven heraus – ohne ökonomische Anreize.

Die aktuelle Rechtslage

Die internationale Gesetzgebung passt sich angesichts des steigenden Missbrauchs mit gefälschten, bezahlten Social Media und Word of Mouth Empfehlungen der Marktsituation an. Der o.g. Fall von Samsung wurde von Taiwans Fair Trade Commission  mit einem Bussgeld von über 800´000 US$ bestraft.

Die gesetzlichen Regelungen der FTC in den USA wurde massiv verschärft. So sind lt. den aktuellen FTC „Guides Concerning the Use of Endorsements and Testimonials in Advertising“ Marken, WOM Marketing Plattformen oder Brand Advocate Programme wie auch die mitmachenden Advocates, Produktester oder Blogger selbst verpflichtet, bei entsprechenden Produktbewertungen und Weiterempfehlungen ihre Verbindung mit der Marke aufzudecken (sog. Disclosing) – sofern eine bezahlte (Sponsoring) oder geldwerte Beziehung zwischen Marke und und Weitererzähler besteht. Als geldwerte Beziehung kann dabei auch schon die Abgabe eines kostenlosen Produktes gelten und das Disclosing bezieht sich auch auf Social Media Interaktionen wie Tweets. Der Word of Mouth Marketing Verband WOMMA hat hierzu entsprechende WOM Ethik-Richtlinien und einen Social Media Disclosure Guide veröffentlicht.

MR. WOM als WOMMA Mitglied befürwortet generell diese Entwicklung, allerdings gehen einige FTC Vorgaben für MR. WOM zu weit und erscheinen nicht umsetzbar in der Praxis: So sollten kostenlosen Produktabgaben nur dann eine geldwerte Beziehung darstellen, wenn diese über dem Wert üblicher Werbegeschenke (unter 35 EUR) liegen und die Ausweitung des Disclosings auf die Weitererzähler, die speziell im Bereich Tweets fast unmöglich umsetzbar ist, als „Kann“, aber nicht als „Muss-Bestimmung Anwendung finden.

In der EU sind die Gesetze und Vorgaben nicht so restriktiv wie in den USA, vor allem was das Disclosing angeht. Relevant sind hier die EU Gesetze im Bereich Wettbewerbsrecht und Konsumentenschutz (welche analog auch für jedes EU Mitgliedsland anwendbar sind), die aktuell gefälschte Reviews im Sinne einer „Misleading Practice“ oder bezahlten „Editorial Content“ mit werbendem Charakter ohne Disclosing nicht erlauben. Ob die EU allerdings auch in Zukunft weiter so „WOM-freundlich“ bleibt, wird sich erst zeigen, wenn die aktuell laufenden EU Beratungen zu einer Gesetzesanpassung in diesem Bereich abgeschlossen sind.

Drei Empfehlungen für unbezahltes, ehrliches und gesetzeskonformes WOM

Verifizierte Bewertungen echter Kunden in eShops & Online-Plattformen: MR. WOM selbst prüft auch ab und an die Reviewmöglichkeiten von Shopping- und Bewertungsseiten und stellt immer wieder erstaunt fest, wie leicht und ohne Identifizierung / Verifizierung Kommentare eingestellt werden können. Sicher spielt hier eine Rolle, es dem Nutzer so leicht wie möglich zu machen, einen Review zu schreiben. Denn die Anzahl aktiver schreibender „Review-Sonisten“ ist entsprechend der 90-9-1 Regel im Social Web erfahrungsgemäss klein – würde man weitere Hürden für die Review Erstellung aufstellen, wird diese Zahl evt. noch kleiner. Angesichts der Rechtslage wie auch der steigenden Unglaubwürdigkeit von Reviews bei Online Shops sollten Händler wie auch Marken mit eigenem eShop jedoch umdenken und zumindest zwischen verifizierten Käufer-Bewertungen und unspezifischen Nutzerkommentaren klar sichtbar unterscheiden. Sprich: nur noch Kunden, die das Produkt auch gekauft haben, können es auch bewerten – so wie es z.B. beim Hotelportal HRS.de heute schon möglich ist. Händler und Plattformen, die sich darauf nicht einstellen, sind offen manipulierbar durch gefakte, bezahlte Reviews und werden als Plattform zukünftig unglaubwürdig, schlimmstenfalls drohen sogar Nutzer-Shitstorms wie im Beispiel Tripadvisor.

Setzen Sie auf authentische Empfehlungen: Wer seinen Kunden und Weitererzählern Geld gibt, sagt ihnen indirekt: „Unser Produkt ist eigentlich nicht so toll, darum zahlen wir Dir Geld, damit Du gut über uns weitererzählst“. Doch das erzeugt in den meisten Fällen übertrieben positive, wenig authentische Berichte und fällt den meisten anderen Nutzern auf. Zudem kompromittiert es die Glaubwürdigkeit und Reputation sowohl ihrer Marke als auch ihrer Weitererzähler. Denn diese agieren nicht mehr länger als ehrliche Weitererzähler, sondern „spammen“ ihre Freunde nur, um ihren eigenen „Deal“ kostenlos zu bekommen.

Wecken Sie die inrinsische Motivation bei ihren Weitererzählern: Wer seine Empfehler bezahlt, ignoriert nicht nur die intrinsischen Motive seiner begeisterten Kunden, oftmals wird dies auch als ehrverletzende Beleidigung verstanden (ein echter Fan lässt sich niemals „kaufen“). Zudem zerstört der von Rolf Dobelli in „Die Kunst des klugen Handelns“ beschriebene Effekt der Motivationsverdrängung die intrinsische Motivation für immer mit der Folge, dass eine Marke zukünftig ihren Empfehlern stetig steigende extrinisische Belohnungen bieten muss. Setzen Sie daher ausschliesslich auf die intrinsische Motivation ihrer Weitererzähler durch gute Produkte mit persönlichem Mehrwert und Trigger für´s Weitererzählen – wie etwa Wow Effekte beim Produkterlebnis oder exklusives Wissen für die Weitererzähler.

Mach MR. WOM glücklich - sei der erste Weitererzähler dieses Beitrags. Danke!